Literatur von Überlebenden von Sobibór

Thomasz Toivi Blatt

Toivi ist am 15. April 1927 in einem jüdischen Sztetl namens Izbica geboren. Kurz nach seinem 15. Geburtstag wurden Toivi zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder, am 28. April 1943, in einem Lkw nach Sobibór gebracht. Durch Zufall selektierte ihn Karl Frenzel zur Arbeit, seine Eltern und sein Bruder wurden, nach nur wenigen Stunden in den Gaskammern ermordet. Im Lager musste er die Stiefel der Aufseher putzen und später die Papiere und Fotos der ermordeten Opfer in einem Ofen verbrennen. Nach dem Aufstand versteckte er sich in verschiedenen Dörfern rund um seinem Heimatort Izbica.

1959 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus. Immer wieder kehrte er in seine Heimat zurück, erzählte seine Geschichte von Verfolgung, Tot und Ausgrenzung. Außerdem war er Zeuge in mehreren Sobibor-Prozessen. Im Oktober 2015 verstarb Thomas Blatt in Santa Barbara. Er veröffentlichte 2 Bücher, eine Autobiographie unter dem Titel – Nur die Schatten bleibenDer Aufstand im Vernichtungslager Sobibór – und ein Fachbuch unter dem Titel – Sobibór – der vergessene Aufstand. Die Bücher sind in den Sprachen: Deutsch, Englisch, Polnisch erhältlich.

Jules Schelvis

Vernichtungslager Sobibor

Jules Schelvis wurde am 7. Januar 1921 in Amsterdam geboren. Kurz vor seiner Deportation heiratete er seine Frau Rahel. Am 1. Juni mußten die beiden zusammen mit Rahels Eltern einen Zug in Westerbork besteigen. Nach einer endlos dauerten 3 tägigen Fahrt erreichten sie das Vernichtungslager. Jules hatte, im Gegensatz zu seiner Frau und seinen Schwiegereltern, das Glück bei der Ankunft im Mordlager selektiert zu werden. Dies hieß für ihn ein fast zweijähriges Martyrium durch deutsche Konzentrations- und Arbeitslager. Erst im März 1945 wurde Jules Schelvis von französischen Truppen aus dem Konzentrationslager in Vaihingen befreit.

Nach dem Krieg gründete er eine Familie in den Niederlanden. Jahrzehnte lang beschäftigte er sich mit der Geschichte des Mordlagers, führte Interviews mit Überlebenden und recherchierte in Archiven. Jules Schelvis war Nebenkläger in mehreren Sobibor Prozessen.
Anhand seiner Recherchen entstand das Buch  –Vernichtungslager Sobibór – , es  ist in den Sprachen niederländisch, deutsch, und englisch erhältlich.
In – Eine Reise durch die Finsternis – schrieb Jules Schelvis seine eigenen Erfahrungen während der Verfolgung nieder. Jules Schelvis starb 2016 in Amstelveen in den Niederlanden

Kalmen Wewryk

Kalmen Wewryk wurde am 25. Juni 1925 in Chełm geboren. Er heiratete Yocherved und die beiden bekamen 1934 ihren Sohn Yossele und 1939 kam ihre Tochter Pesha zur Welt. Im Jahr 1942 wurde seine Familie bei einer “Aktion” festgenommen. Kalmen Wewryk hat seit dem nichts mehr von seiner Frau und seinen beiden Kindern gehört. Im Herbst 1942 wurde auch er verhaftet und nach Sobibór gebracht. Hier musste er als Zimmermann arbeiten. Ihm gelang beim Aufstand die Flucht, monatelang versteckte er sich in den Wäldern in der Umgebung von Chełm.

Nach Kriegende heiratete er erneut und wanderte 1956 mit seiner Frau Perla und ihren beiden kleinen Kindern nach Frankreich und später nach Kanada aus, wo er den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod 1989 verbrachte.
1984 verfasste Howard Roiter seine Autobiographie: – To Sobibór and Back: An Eyewitness Account – .  Im Jahr 2020 erschien die deutsche Übersetzung des Buches – Nach Sobibor und zurück

Kurt Thomas

Kurt Thomas (Ticho)  wurde am 11. April 1941 in Brno (Brünn), heute Tschechien, geboren. Im März 1942 wurden alle jüdischen Bewohner seines Wohnorts Boskovice ins Ghetto von Theresienstadt gebracht. Am 1. April mussten er, seine Eltern und seine Schwester einen Zug besteigen der sie in das Ghetto von Piaski, im damaligen Distrikt Lublin, brachte. Dort arbeitete er außerhalb des Ghettos bei einem Bauern in Siedliszcze. Im Sommer 1942 wurden seine Eltern und seine Schwester nach Sobibór verschleppt und ermordet. Anfang November 1942 kam auch Kurt Thomas nach Sobibor. Hier wurde er zur Arbeit selektiert und arbeitete anfangs in den Sortierbaracken und ab Frühjahr 1943 als Sanitäter in der sehr provisorisch eingerichteten Krankenstation. Bim Aufstand gelang ihm die Flucht. Er versteckte sich bei dem Bauern, bei dem er schon arbeiten musste bevor er nach Sobibór kam. Später schloss er sich der Tschechischen Armee an. 1948 emigrierte er in die USA. Er sagte bei verschiedenen Prozessen gegen die deutschen Täter aus. Er starb im Juni 2008 in Columbus/ Ohio. Sein Buch – My Legacy –  ist in englischer Sprache erschienen

Regina Zielinski

Regina Zielinski ist als Riwka Feldmann am 2. September 1924 in Siedliszcze in Polen geboren. Aus dem Arbeitslager in Staw wurde sie am 20. Dezember 1942 in einem Pferdekarren nach Sobibor verschleppt. Sie musste im Lager unter anderem als Näherin und in der Wäscherei arbeiten. Ihr gelang beim Aufstand die Flucht. Von befreundeten Christen bekam sie gefälschte Papiere, mit denen sie sich zur Zwangsarbeit ins Deutschen Reich meldete. In Frankfurt arbeitete sie als Kindermädchen bei einer deutschen Familie. Nach dem Krieg heiratete sie in Wetzlar den polnischen Soldaten Kazimierz Zielinski, mit dem sie im August 1945 nach Australien emigrierte. Regina Zielinski verstarb im September 2014 in Australien. Ihr Lebensbericht wurde in englischer Sprache unter dem Titel – A Conservation with Regina – von ihrem Sohn Andrew veröffentlicht.

Dov Berek Freiberg

Dov Berek Freiberg wurde am 15. Mai 1927 in Warschau geboren. Über das Ghetto in Krasnystaw kam er schon im Mai 1942 nach Sobibór, kurz nachdem das Lager in Betrieb genommen wurde. Er musste in seiner Zeit in Sobibór verschiedenen Arbeitskommandos arbeiten. Nach dem Aufstand schloss er sich den Partisanen und später der vorrückenden Roten Armee an. 1948 emigrierte er nach Israel. Dov Freiberg war Zeuge im Eichmann-Prozess und im Hagener Sobibor Prozess. Er starb 2008 in Israel.
Sein Buch – To survive Sobibor –  ist in Englisch und Hebräisch erschienen.

Philip Bialowicz

Philip Bialowitz wurde am 25. November 1929 in Izbica geboren. Im Alter von 13 Jahren, im April 1943, wurde er zusammen mit seinem 30-jährigen Bruder Symcha aus seinem Heimatort nach Sobibór verschleppt. Symcha gab sich selbst als Pharmazeut und seinen kleinen Bruder als seinen Assistenten aus, dies schützte die beiden vor der Gaskammer. Er musste in Sobibór unter anderem den Frauen die Haare scheren und war im Bahnhofskommando eingesetzt. Den beiden Brüdern gelang die Flucht beim Aufstand. Sie konnten sich bei einer polnischen Bauernfamilie verstecken. Nach dem Krieg emigrierte Philip in die USA, sein Bruder Symcha nach Israel. Philip Bialowicz starb 2016 in den den USA. Sein Buch – A Promise at Sobibór – erschien in Englisch und Polnisch.

Stanislaw Szmajzner

Stanislaw Szmajzner ist am 13. März 1927 in Puławy geboren. Schon in jungen Jahren erlernte er das Goldschmiedehandwerk. Er traf am 12. Mai 1942, mit einem Transport aus dem Ghetto in Opole in Sobibór ein. Unter Franz Stangl musste er in einer Werkstatt Ringe und anderen Schmuck für die SS-Wachmannschaften herstellen. Er war aktiv am Aufstand beteiligt und flüchtete sich zu den Partisanen. 1947 emigrierte er nach Brasilien. Gustav Wagner, einer der grausamsten SS-Männer von Sobibór, wurde 1978 in einer Polizeistation in Sao Paulo, mit Hilfe von Stanislaw Szmajzner identifiziert. Sein Buch – Inferno em Sobibor – erschien 1968 in Brasilien in portugiesischer Sprache und wurde bisher nicht übersetzt. In englischer Sprache findet man einen Teil seiner Geschichte hier. Er starb 1989 in Brasilien.