Hermine Rothschild

Hermine Rothschild

 

Hermine Rothschild

Hermine Rothschild, geborene Katz Geboren am 4. August 1877
Geboren in Korbach, Hessen, Deutschland

Ehemann

Alfred Rothschild
Geboren am 4. Oktober 1871
Geboren in Vöhl, Hessen, Deutschland
Gestorben am 13. September 1939 in Korbach

Sohn

Richard Moritz Rothschild
Geboren am: 12. Mai 1905
Geboren in: Vöhl, Hessen, Deutschland

Hermine Katz wurde am 4. August 1877 als älteste Tochter von Salomon Katz und seiner Ehefrau Johanna geboren. Salomon Katz betrieb einen Getreidehandel und eine Kornbrennerei in Korbach. Zusammen mit ihren jüngeren Geschwistern Siegfried (geb. 1879), Emma (geb. 1882), Meta (geb. 1883) und Margarete (geb. 1885) wuchs sie im Haus in der Lengefelder Straße in Korbach auf.

Gasthaus der Familie

Gasthaus der Familie

Am 4. Juli 1904 heiratete sie in Korbach den Hotelier und Kaufmann Alfred Rothschild und zog zu ihm nach Vöhl. Dort bewirtschafteten sie zusammen den Gasthof Prinz Wilhelm und führten ein Geschäft mit Kolonialwaren. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit wurde ihr gemeinsamer Sohn Richard geboren.

Alfred und Hermine Rothschild mit Gästen vor ihrem Gasthaus

Alfred und Hermine Rothschild mit Gästen vor ihrem Gasthaus

Das Lokal ging recht gut, im Saal fanden Klavierkonzerte und kleine Theateraufführungen statt. 1910 wurde Alfred Rothschild in den Gemeinderat gewählt. Während des 1. Weltkrieges diente er in der Reichswehr und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Hermine kümmerte sich in dieser Zeit allein um den Gasthof, das Geschäft und den Sohn. Luise Siegmann, eine Angestellte der Frankenthals im Gasthof, berichtete nach dem Krieg, das Hermine das Regiment in der Küche führte und ausgezeichnet kochte. Die jungen Mädchen hatten viel von ihr lernen können.

Alfred Rothschild war Mitglied in mehreren Voehler Vereinen Unter anderem war er einer der Regisseure einer Laienschauspielgruppe. Richard Rothschild besuchte das Fürstliche Landesgymnasium in Korbach.

Als Anfang 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen hatte dies auch Auswirkungen auf die Familie Rothschild. Bei den Kommunalwahlen in Hessen am 5. März 1933, kandidierte auch Alfred Rothschild wieder. Bereits seit 1910 hatte er dem Gemeinderat angehört. Bei dieser Wahl aber erhielt er nicht eine einzige Stimme von seinen Mitbürgern.

Richard Rothschild

Richard Rothschild

Im Juni wurde der Sohn Richard verhaftet und für zwei Wochen im Frankenberger Gefängnis eingesperrt. Einen Monat später wurde in Frankenberg eine Liste von 35 Personen aus dem Kreisgebiet erstellt, die polizeilich zu beobachten seien, Zu diesen gehörte auch Richard Rothschild. Er entschied sich für eine Emigration nach Palästina, in einer „Hachschara“ (ein Vorbereitungslager für die Auswanderung nach Palästina) in Grüsen bereitete er sich auf seine landwirtschaftliche Tätigkeit in Palästina vor. Dort lernte er auch seine Frau Gerda kennen und heiratete sie am 1. Dezember 1934. Im Januar 1935 verließ er seine Eltern, Vöhl und Deutschland und ging mit seiner Frau nach Palästina. Ihre Ehe blieb kinderlos, beide starben im hohen Alter in Israel.

Hermine und Alfred Rothschild spürten die Ablehnung ihrer Mitbürger auch in ihrem Gasthaus. Die Kunden blieben weg, der Gasthof wurde arisiert und musste gegen einen geringen Erlös verkauft werden. Die Rothschilds mussten von nun an zur Miete wohnen.

Im August 1938 verkaufte die jüdische Gemeinde (sicher nicht ganz freiwillig) die Synagoge im Ort wahrscheinlich auch, weil absehbar war, dass bei nur 13 jüdischen Bewohnern, darunter drei Männern, kein Gottesdienst mehr stattfinden würde. Alfred Rothschild wurde beauftragt die die Verhandlungen für die jüdische Gemeinde zu führen. Für ein Spottgeld wurde sie Synagoge veräußert, doch das Geld ging auf ein Sperrkonto, über das die jüdische Gemeinde nicht verfügen konnte.

In der Reichspogromnacht, am 10. November 1938 , wurde der inzwischen 67-jährige Alfred Rothschild verhaftet und über Kassel ins Konzentrationslager nach Buchenwald bei Weimar gebracht. Erst am 5. September 1939 kehrte Alfred Rothschild schwer krank zurück nach Voehl. Der Hausarzt konnte keine äußerlichen Verletzungen feststellen. Hermine Rothschild zog mit ihrem schwer kranken Mann nach Korbach ins Hinterhaus ihres elterlichen Anwesens. Am 13. September 1939 starb ihr Mann Alfred Rothschild. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Korbach beigesetzt.

Emma Katz heiratete am 30.1.1901 den im hessischen Sachsenhausen geborenen Kaufmann Maximilian Hirsch. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor, Bernhard, Else und Hildegard. 1934 verstarb ihr Mann in Sachsenhausen, einem kleinen Ort in der Nähe von Korbach. Die drei Kindern wanderten nach Palästina und Schweden aus und konnten damit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten entgehen. 1937 zog Emma Hirsch nach Korbach zurück in das elterliche Anwesen.
Im Herbst des Jahres 1941 mussten Hermine Rothschild, ihre Mutter Johanna Katz, ihre Schwester Emma Hirsch und die ledige Tochter Margarete das Anwesen in der Lengefelder Straße 11 verlassen und in das „Judenhaus“ Kirchstraße 13 umziehen.

Von ihrer geplanten „Umsiedlung“ erfuhren Emma Hirsch und Hermine Rothschild Anfang April 1942. Ende Mai. Wahrscheinlich am 29. Mai 1942 mussten die beiden Schwestern nach Kassel fahren. Dort wurden sie in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht. Hier wurden sie registriert und auf Wertsachen durchsucht.

Hermine Rothschild und ihre Schwester Emma Hirsch wurden am Morgen des 1. Juni 1942 mit 506 anderen Jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus dem GeStaPobezirk Kassel mit dem Sonderzug „Da 57“ ,über Halle und Chemnitz, wo weitere hunderte Menschen in den Zug gepfercht wurden, nach Sobibor deportiert. Das offizielle Ziel des Transportes war Izbica, ein jüdisches Sztetl im Distrikt Lublin, das den Nazis als Durchgangsghetto diente. Das erste Ziel des Zuges im Distrikt Lublin war das Anschlussgleis des „Alte Flugplatzes“ in Lublin (Teil des Konzentrationslagers Lublin im Ortsteil Majdan Tatarski), dort wurden ca. 80 Männer zur Zwangsarbeit ausgewählt. Der Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor, wo er am 3. Juni 1942 ankam. Es ist davon auszugehen, dass die beiden Schwestern direkt nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde.

Margarete Katz und ihre Mutter Johanna Katz wurden am 7.9.1942 von Kassel mit weiteren 753 jüdischen Menschen aus dem GeStaPobezirk Kassel nach Theresienstadt deportiert. Johanna Katz starb in Theresienstadt am 26.9.1942. Ihre Tochter Margarete wurde am 23. Januar 1943 in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie gilt seitdem als verschollen, es ist davon auszugehen das sie direkt nach ihrer Ankunft im Lager am 24. Januar 1943 ermordet wurde.

Siegfried Katz heiratete am 11.6.1911, die in Göttingen geborene Hedwig Plaut. Nach dem Tod seines Vaters Salomon Katz übernahm er dessen Betrieb in Korbach. Die Eheleute wurden am 26. September 1941 in das Sammellager Wrexen gebracht, das in der Papierfabrik Haupt eingerichtet wurde. Von hier aus wurden sie Ende Mai 1942 in die `Sammelstelle´in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht wurden. Ihr Lebensweg endete auf die selbe tragische Weise wie der von Siegrfrieds Katz Schwestern Emma und Hermine im deutschen Vernichtungslager Sobibor. Siegfried und Hedwig Katz wurden mit dem gleichen Deportationszug in das Mordlager gebracht.

Bilder von der Familie Rothschild