Familie Lichtenstein

Käthe Lichtenstein

Käthe Lichtenstein

 

Käthe Lichtenstein
Geboren am 18. März 1892
Geboren in in Altenlotheim im Kreis Kassel, Deutschland

Eltern:
Selig Frankenthal
Rosa Frankenthal

verheiratet mit

Meinhard Lichtenstein

Meinhard Lichtenstein

Meinhard Lichtenstein
Geboren am 5. Juni 1886
Geboren in Volkmarsen im Kreis Kassel, Deutschland

Eltern:
Aaron Lichtenstein
Yettchen Lichtenstein

3 Kinder:

Arthur Lichtenstein
Geboren am 7. Februar 1920
Geboren in Volkmarsen, Kreis Kassel, Deutschland

Inge Lichtenstein
Geboren am 4. Februar 1930
Geboren in Volkmarsen, Kreis Kassel, Deutschland

Ilse Lichtenstein
Geboren am 24. Februar 1923
Geboren in Volkmarsen, Kreis Kassel, Deutschland

Lichtensteins und Meinhardts

Die Familie Lichtenstein aus Volkmarsen (von links): Ilse Lichtenstein, die Großeltern Rosa und Selig Frankenthal, die Eltern Käthe und Meinhard Lichtenstein. Vor Käthe und Meinhard Lichtenstein steht ihre jüngste Tochter, Inge.

Die Familie Lichtenstein wohnte in Volkmarsen und hatte 3 Kinder: Arthur, Ilse und die jüngste Tochter Inge. Meinhard Lichtenstein war ein angesehener Schneidermeister und hatte ein eigenes Geschäft und Haus in der Obere Stadtmauer 33 . Der Umgang zwischen Christen und Juden in Volkmarsen war freundlich, bis 1933, als zur Boykottierung der jüdischen Geschäfte aufgerufen wurde. Die Kinder besuchten die Volksschule in Volkmarsen am Mönchepfuhl, einmal in der Woche erhielten sie Religionsunterricht. Ihr Vater Meinhard las die Thora in der Synagoge im Ort und unterrichtete seine Kinder selbst am Samstagnachmittag.

Ilse, Inge und Arthur Lichtenstein

Ilse, Inge und Arthur Lichtenstein

Im Mai 1938 flüchtete der damals  erst 18-jährige Arthur nach Amerika und baute sich dort eine neue Existenz mit einer eigenen Schneiderwerkstatt auf. Seit August 1941 war Arthur bei der amerikanischen Armee stationiert im Nordpazifik.

Mit dem Pogrom im November 1938 verlor die Familie Lichtenstein ihr Eigentum. Die Wohnung der Familie wurde völlig zerstört, Möbel und Fenster zerschlagen. Meinhard Lichtenstein wurde verhaftet. Er wurde mit anderen Männern aus der Umgebung 3 Tagen im örtlichen Polizeigefängnis festgehalten und am 12. November in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, von wo er einen Monat später, am 8. Dezember, abgemagert und erschöpft zurückkehrte.

Das Haus und die Schneiderwerkstatt wurden in der Pogromnacht völlig zerstört und ausgeplündert. Ohne Einkommen lebte die Familie von ihrem Ersparten und den Erträgen aus ihrem eigenen Garten. Der Betrieb eines eigenen Handwerksgeschäfts blieb Juden untersagt, zusätzlich mussten sie einen Teil ihres Vermögens als sogenannte „Judenvermögensabgabe“ an den Reichsfiskus abtreten.

Die Familie musste mit weiteren 13 jüdischen Einwohnern in das jüdische Schulhaus ziehen. Sie durften die Wohnung nur morgens vor acht und am späten Abend verlassen. Lebensmittel wurden mit Lebensmittelkarten zugeteilt, für jüdische Bürger gab es keine Milch, kein Fleisch, keine Eier. Einige Mitbürger gaben heimlich Lebensmittel an die jüdischen Bewohner des Schulhauses.
Die Eltern schickten ihre beiden Töchter am 3. Januar 1939 mit einem Kindertransport von Kassel in die Niederlande, wo sie über mehrere Stationen in einem Kinderheim in Bergen aan Zee landeten. Bemerkenswert ist, dass Ilses Lehrer Paul Nowak es sich nicht nehmen ließ, seine beste Schülerin zum Bahnhof zu begleiten, genauso wie Ilses beste Freundin Emmi. Im Kinderheim erhielten sie Unterricht, lernten Niederländisch und Englisch. Während dieser Zeit hielten sie ständig brieflichen Kontakt mit den Eltern in Volkmarsen und mit ihrem Bruder und einer Oma in den USA. Arthur Lichtenstein versuchte unterdessen in den USA Visa für seine Familie zu bekommen. In einem erhaltenen Brief schrieb Ilse an ihren Bruder: „Wenn nur das Konsulat schneller arbeiten würde, dass wir fort könnten, denn die Ungewissheit ist entsetzlich. Seht bitte mal zu, ob Ihr etwas machen könnt, denn die Eltern können unmöglich länger in Deutschland bleiben. (…) Auch sorgt bitte dafür, das wir bald weiter können, denn wir wollen den Leuten hier nicht zur Last fallen“

Es gelang Arthur aber nur für seine Schwester Ilse ein Visum zu bekommen. Sie verließ am 4. April 1940, an Board des Schiffes Volendam, die Niederlande in Richtung USA. Dies war das letzte Passagierschiff das die Niederlande in Richtung Amerika verließ. Danach wurde der Passagierschiffsverkehr über dem Atlantik wegen des Krieges eingestellt. Am 16. April traf Ilse in New York ein, sie fand Arbeit als Hauswirtschafterin und später arbeitete sie in einem Fleischverarbeitungsbetrieb. Sie heiratete 1955 Meinhard Meyer, einen alten Freund aus Kindertagen in Kassel, der 1938 in die Niederlande und später in die USA emigriert war. Meinhard Meyers Eltern Leo und Sofie Meyer und die jüngere Schwester Berta konnten aufgrund der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht, am Vortag ihrer geplanten Abreise in die USA nicht mehr fliehen und wurden in das Polizeiliche Durchgangslager Westerbork geschickt. Von dort wurden sie am 25. Mai 1943 nach Sobibor deportiert.

Inge wurde im September 1939 zu einer jüdischen Pflegefamilie in der Nähe von Rotterdam geschickt. Nur einen Monat nach Ilses Abreise überfiel die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Den Pflegeeltern von Inge war die Situation nach der Besatzung der Niederlande zu gefährlich, ihre Pflegemutter brachte sie mit der Bahn zurück zu ihren Eltern nach Volkmarsen. Da es den jüdischen Kindern verboten war, öffentliche Schulen zu besuchen, schickten sie ihre Eltern in die Jüdische Schule in Kassel, sie pendelte täglich von Volkmarsen nach Kassel.

Inge und ihre Eltern wurden Ende Mai 1942 in die `Sammelstelle´ in der Turnhalle des Schulkomplexes in der Kasseler Schillerstraße gebracht. Dort wurden sie registriert und durchsucht. Die Familie Lichtenstein wurde am Morgen des 1. Juni 1942 mit 505 anderen Jüdischen Menschen aus dem GeStaPo-Bezirk Kassel mit dem Sonderzug „Da 57“ ,über Halle und Chemnitz, wo weitere hunderte Menschen in den Zug gepfercht wurden, nach Sobibor deportiert. Das offizielle Ziel des Transportes war Izbica, ein jüdisches Sztetl im Distrikt Lublin, das den Nazis als Durchgangsghetto diente. Das erste Ziel des Zuges im Distrikt Lublin war das Anschlussgleis des „Alten Flugplatzes“ in Lublin (Teil des Konzentrationslagers Lublin im Ortsteil Majdan Tatarski), dort wurden ca. 80 Männer zur Zwangsarbeit ausgewählt. Der Zug fuhr anschließend direkt nach Sobibor, wo er am 3. Juni 1942 ankam. Es ist davon auszugehen, dass Käthe, Meinhard und Inge Lichtenstein aus Volkmarsen direkt nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurden.

 

Familie LichtensteinFamilie Lichtenstein schrieb am Tag ihrer Abfahrt aus Kassel noch ein Telegramm über das Internationale Rote Kreuz an die Kinder in den USA: „Liebe Kinder! Wir sind gesund. Auf Omas Geburtstag fahren wir nach P. Wir hoffen auf ein frohes Wiedersehen. Bleibt Gesund. Grüße, Küsse Vater, Mutter und Inge“

 

 

 

 

 

Grabstein Meinhard Meyer

Grabstein Meinhard und Ilse Meyer, Quelle; Find a Grave

Der Stein für die Familie Lichtenstein wurde 2003 vom Arbeitskreis -Rückblende Volkmarsen- gestiftet